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Wichtig: Die jeweils aktuellen Augaben von 2+2+10 erscheinen jeweils Dienstags bzw. Mittwochs im Verlaufe des Tages.

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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20.03.2002
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

Meine 23.Kolumne ist einem Spieler gewidmet, der oft unterschätzt wird. Es handelt sich um einen Stürmer, der fast nie die Anerkennung bekommen hat, die er verdient. Die Rede ist von

1.Drittel: Kent oder wie Freunde, Bekannte und Fans ihn nennen: "Kenny" Manderville. Vor ein paar Tagen wurde der charismatische Spieler nach Pittsburgh getradet. Jaja, die Philadelphia Flyers entschlossen sich diese Persönlichkeit zu den Penguins zu transferieren, um einen viel schlechteren Stürmer dafür zu bekommen. Für seine exorbitant große, weibliche Fangemeinde in Philadelphia war das wie ein Schlag ins Gesicht. Nach Bekanntgabe dieses Vereinswechsels schafften es noch etwa zwei Dutzend seiner treuesten Fans, ihn am Flughafen zu verabschieden. Einen Jeremy Roenick, Mark Recchi oder Simon Gagne zu verlieren, wäre nicht so schlimm gewesen, war die einhellige Meinung vor Ort.

Auch wenn ich mich von jeher körperlich überhaupt nicht zu Männern hingezogen fühle, so kann ich ihren Schmerz doch ein wenig nachvollziehen. Das wirklich Schlimme ist aber die Tatsache, mit welcher Ignoranz man hier einem Akteur begegnet ist, der zu einer Legende hätte werden können. Gerade seine fast schon unmenschlichen Fähigkeiten im Unterzahlspiel hätten den Flyers auf dem Weg zum Stanleycup

Wenn man dann noch bedenkt gegen wen Manderville getradet wurde, kann einem schon ganz anders werden. Billy Tibbets ??? Jawoll, Billy Tibbets war es. Dieser Mann mag vielleicht etwas härter spielen, aber ansonsten ? Kann er einem Kenny Manderville vielleicht spielerisch, bei 5-5 oder gar in Unterzahl ersetzen ? Niemals, NIEMALS ! Billy Tibbets ist auf dem Eis kein angemessener Ersatz und privat sowieso ein Fall für sich. Okay, man sollte bei einem relativ jungen Mann nicht immer auf einige Vorfälle herumhacken, die mittlerweile auch einige Jahre zurückliegen, aber hat ein Manderville sich schon einmal etwas zu Schulden kommen lassen ? Tibbets dagegen hatte einige Hobbies, die in den meisten Ländern dieser Erde mit einigen Gesetzen nun einmal nicht ganz vereinbar sind.

Betrachtet man allein die Namen der beiden: Tibbets klingt nach einem kleinen, fetten Nachtwächter, der in seiner Freizeit allein ins Pornokino geht und sich zuhause Tiefkühlpizzen aufwärmt. Manderville dagegen erinnert irgendwie an einen Künstler, für den sich Männer wie Frauen begeistern. Nicht nur das, dieser Name klingt wie ein wunderschönes Lied, man denkt unweigerlich an einen angenehmen Abend, den man mit einer tollen Frau und einer guten Flasche Bordeaux verbringt. "M-a-n-d-e-r-v-i-l-l-e".

2.Drittel: Ansonsten war gestern Trading Dead Line angesagt und einiges hat sich getan. Der wohl größte Trade ist jener, der Jason Arnott zusammen mit Randy McKay von New Jersey nach Dallas bringt. Im Gegenzug gaben die Stars Joe Nieuwendyk und Jamie Langenbrunner ab. Für wen dieser Wechsel Vorteile bringen wird, ist meiner Meinung nach völlig offen.

Am Tag zuvor schlugen die Rangers zum ersten Mal richtig zu. Pavel Bure (unten im Bild) wurde von den Florida Panthers losgeeist. Ein Talent, Igor Ulanov und zwei Draftpicks gaben die New Yorker ab. Das klingt nach wenig, was es im Prinzip auch ist, aber für Florida macht das durchaus Sinn, da sie nicht gerade ein reiches Teams sind, eine schlechte Mannschaft haben und auf den junge Leute bauen müßten. Einen zweiten großen Trade, in dem die Rangers involviert waren, gab es dann am Dienstag. Mike York wurde nach Edmonton abgeben und im Gegenzug erhielt man Rem Murray und Tom Poti. Schwer zu sagen, wer von diesem Wechsel im Endeffekt am meisten profitiert, aber beide Teams haben noch einmal etwas getan, um die Playoffs zu erreichen. Im Fall von den Rangers ist das allerdings ziemlich hoffnungslos. Bure schoß zwar gestern Nacht gleich im ersten Spiel sein erstes Tor, aber im Endeffekt verlor man mit 1:3. Bleiben noch elf Spiele, die insgesamt von der Papierform nicht leicht sind, um Platz 8 zu erreichen. Auf dem stehen momentan die Montreal Canadiens, die insgesamt neben einem etwas einfacheren Programm zwei Punkte mehr und zwei Spiele weniger haben. Es spricht einiges für die "Habs", wobei man die Buffalo Sabres nach ihren zuletzt guten Ergebnissen nicht außer Acht lassen sollte. Im Grunde genommen glaube ich auch nicht, daß Bure den New Yorkern viel bringt. Sicher garantiert er Tore, aber er ist sehr teuer, schaut mehr auf seine eigenen Statistiken als auf die seines Teams und arbeitet defensiv nicht gerade brillant. Die Rangers werden es wahrscheinlich nie kapieren, daß viele große Namen ( und die haben ) keine große Mannschaft und manchmal noch nicht einmal eine überdurchschnittlich gute Mannschaft ausmachen.

Den wohl eindeutigsten und dümmsten Trade machten aber die Philadelphia Flyers am Dienstag. Kaum hatten sie die Fans vom Manderville Skandal erholt, kam der nächste große Schwachsinn. Adam Oates wurde von den Washington Capitals verpflichtet. Okay, normalerweise würde man denken: Warum nicht, schließlich haben die Flyers momentan auf der Position des Centers Probleme, Oates ist kein Schlechter und wahnsinnig viel muß man für einen so alten Mann, der vielleicht noch zwei Jahre spielt, wohl nicht abgegeben. Weit gefehlt, mit Maxime Ouellet, eines der größten Talente unter den Goalies, gingen auch noch ein Erst/zweit und ein Drittrundendraftpick in die US-Hauptstadt. Okay, die Flyers haben damit gezeigt, daß sie den Cup wollen und ihnen die Zukunft scheißegal ist, aber wenn im Mai/ Juni ein anderes Team Champion ist, was man ja wohl nicht gerade für unrealistisch halten kann, haben sie einen riesigen Fehler gemacht.

3.Drittel: Nach diesen wichtigen Gründen heute mal mit der NHL zu beginnen und Nordamerika mehr Platz zuzugestehen nun zur DEL: Die DEL steht vor den Playoffs und die Augsburger haben es gerade noch geschafft, sich dafür zu qualifizieren. Eine Heimniederlage am letzten Spieltag gegen die Haie, hätte für sie dank des schlechteren Torverhältnisse Rang 9 bedeutet. Die Kölner spielten aber hervorragend mit, in dem sie schlecht spielten, wieder einmal keinen Charakter zeigten und die Panther so mit zum Sieg führten. Grundsätzlich ist es aber okay, das es so gekommen ist, da der härteste Verfolger, die DEG, die vermeintlichen einfacheren und wichtigen Spiele verloren hat.

Die Augsburger müssen nun gegen die Barons antreten und vielleicht schaffen sie ja eine kleine Sensation. Ich denke aber dieses Duell dürfte insgesamt das deutlichste ( zugunsten München ) werden. Die Mannheimer schmeißen sicherlich die Eisbären raus, die Krefelder werden wahrscheinlich auch die Kölner besiegen und die Ice Tigers die Huskies, aber wenn einer der Außenseiter die Überraschung schafft, wäre das auch nicht so verwunderlich.

Ein super Kommentar zu seine Sperre hat auch mein Freund Greg Evtushevski abgelassen. Er wäre zu hart bestraft worden, andere Spieler seien viel "böser" und ähnlichen Mist verkündete der Stürmer. Wenn er sich wirklich nur als harten und nicht unfairen Spieler sieht, leidet der Arme wohl ein bißchen unter Realitätsverlust. Es gibt in der DEL einige wirklich unfaire Spieler und da gehört er 100%ig zu. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er beispielsweise dem KEV einmal im Viertelfinale dazu verhalf, die DEG auszuschalten, indem er Helmut de Raaf verletzte.

A propos DEG. Ich hoffe, es haben möglichst viele am Sonntag den Treffer von Tore Vikingstad gegen Krefeld gesehen. Für den KEV hat Jeff Christian mal wieder seinen Torinstinkt bewiesen, aber diesen Weltklassetreffer von Vikingstad werde ich nicht so schnell vergessen.

Essen will jetzt übrigens klagen, um in der DEL zu bleiben, die Capitals vielleicht auch ? Wen wundert´s ? Mich nicht, aber vielleicht denken die Verantwortlichen dieser Vereine einmal ein bißchen nach. Das Hin und Her bei den Berlin Capitals braucht man eigentlich gar nicht mehr kommentieren, aber die Essener sind auch nicht viel besser. Vielleicht erinnert sich einmal jemand daran, daß Schwenningen Marcel Goc nach Mannheim abgegeben hat, um über die Runden zu kommen ? Was haben die Essener während der Saison gemacht, als finanzielle Probleme mit Sicherheit schon mehr als absehbar waren ? Sie haben Terry Yake verpflichtet. Na super ! Schlußsirene.

Absolute Spitze: Dan Cloutier, Patrick Roy, Jose Theodore, Tore Vikingstad und natürlich ganz besonders Kenny Manderville (links im Bild).

Schlechte Witze: Philadelphia Flyers, New York Rangers, Kölner Haie, Moskitos Essen, Berlin Capitals.

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com