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Wichtig: Die Ausgabe der Woche vom 06.03.2002 muss leider ausfallen, am 12.03 bzw. 13.03 erscheint jedoch wie gewohnt die aktuelle Ausgabe von 2+2+10.

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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27.02.2002
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

Wie schnell die Zeit manchmal vergeht, fällt mir immer wieder auf, wenn ein besonders schönes Ereignis vorbei ist. Die Olympischen Spiele von Salt Lake City waren dafür ein Paradebeispiel. Nicht daß ich mir jetzt stundenlang jede beliebige Sportart angetan habe... .

1.Drittel: ...aber wann hat es zuletzt ein so gutes Eishockeyturnier gegeben ? Ist jedenfalls schon eine Weile her und man kann nur hoffen, daß in Turin die NHL Stars wieder mit von der Partie sind, weil das Ganze dann eine völlig andere Bedeutung bekommt. Das Beste an diesem Turnier war für mich aber die gerechte Vergabe der Medaillen. Gold ist dort, wo es eigentlich immer schon hingehört hat, Silber geht an die Amis, die sehr stark gespielt haben, im Finale aber ganz deutlich das schwächere Team waren und Bronze an die Russen, ist auch okay. Das hätte auch mehr sein können, aber wenn man im Halbfinale nur im Schlußdrittel Eishockey spielt, ist das halt ein bißchen zu wenig. Verstehen kann ich aber immer noch nicht ansatzweise, was sie sich in den ersten 40 Minuten gegen die USA gedacht haben. Da wurde der Puck ins gegnerische Drittel getragen, die nächsten ein oder zwei Pässe kamen manchmal noch an und dann war die Scheibe auch schon wieder auf dem Weg in die andere Richtung. Natürlich war Alexei Yashin einmal mehr nicht zu sehen, als es darauf ankam und auch Vladimir "ich-strenge-mich-nur-an-wenn-ich-will" Malakhov begann erst viel zu spät damit, Eishockey zu spielen.

Ganz clever war auch die Strafzeit, die sich Nikolishin wegen Beinstellens in der gegnerischen Zone eingehandelt hat. Dümmer geht´s nicht. Die Russen nutzten ihre läuferischen und technischen Fähigkeiten kaum und hatten zwei Drittel so gut wie kein Zug zum Tor. Gewinnt man so heute auf diesem Niveau noch ein Eishockeyspiel ? Nein ? Hätten sie das vielleicht auch vorher wissen können ? Eigentlich schon, aber wahrscheinlich wurde ihnen erst in der zweiten Pause damit gedroht, daß Hans Zach neuer Trainer wird. Mit Zach als Coach wären die russischen Spieler jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach schon nach der ersten Unterbrechung taub gewesen. Ob das etwas genutzt hätte ? Zum Schluß kam mir diese russische Vorstellung mit zwei völlig verschiedenen Gesichtern ( im letzten Drittel waren sie ja richtig gut ) sehr merkwürdig vor. In etwa so, als hätte Alexander Solschenizyn ein Buch geschrieben, daß man zu 2/3 als Schundroman bezeichnen kann, ehe er in den letzten Kapiteln den Lesern alles auf einmal geben will, was ein gutes Werk ausmacht.

Hat sich Andrei Mezin vielleicht doch noch für ein NHL Engagement empfohlen ? Ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht, daß man ihm irgendwo ernsthaft eine Chance geben wird. Gerade als Torwart ist das durchaus nicht unmöglich, wenn man schon das gewöhnliche NHL Rookie Alter ein bißchen überschritten hat, wie zuletzt Roman Cechmanek bei den Philadelphia Flyers bewiesen hat, aber andererseits gibt es auch reichlich talentierte Goalies, die deutlich jünger sind, schon in Nordamerika spielen und dort auf ihre Chance warten.

2. Drittel: Die Sensation dieses Eishockeyturniers waren aber ganz eindeutig die Weißrussen mit Andrei Mezin im Tor. Wer hätte ihnen auch nur den Hauch einer Chance eingeräumt, bis ins Halbfinale vorzustoßen ? Gegen die Kanadier waren sie dann ganz eindeutig auf verlorenem Posten, aber die haben im Endeffekt ja auch Gold geholt und so war die herbe Niederlage nicht wirklich peinlich. Etwas peinlich hingegen fand ich Oleg Khmyl, der schon im zweiten Drittel auf der Bank den Eindruck machte, als er würde jeden Moment tot umfallen. Sein Pfannkuchengesicht hatte die Farbe eines Rotweins und der arme dicke Mann japste verzweifelt nach Luft. Wie wär´s mit ein bißchen Ausdauertraining, nur 20 Zigaretten am Tag und weniger Alkohol ?

Auf der anderen Seite haben die Schweden natürlich geringfügig enttäuscht. Wäre ich an Tommy Salos stelle, würde ich auch ernsthaft in Erwägung ziehen, um Schweden in den nächsten zwei bis fünfzig Jahren einen großen Bogen zu machen. Dieses Tor wird ihn wahrscheinlich noch eine ganze Weile begleiten. Er war bestimmt nicht der Alleinschuldige am Viertelfinal - Aus der Skandinavier, aber wenn man sich den Puck zum entscheidenden 4:3 in einem sehr wichtigen Spiel gegen einen krassen Außenseiter selbst ins Netz legt, dann muß man schon mit herber Kritik rechnen. Tja, es gibt nichts, was es nicht gibt, pflegt meine Mutter manchmal zu sagen und damit hat sie irgendwie recht. Über einige verrückte Dinge, denkt man leider so gut wie nie nach. Es ist doch beispielsweise eine Tatsache, daß es faschistische Fische gibt, was allerdings gerne totgeschwiegen wird. Warum wird der Vorname des Heilbutts, der zweifellos "Sieg" ist, sonst fast immer ( absichtlich ?! ) unterschlagen ? Jetzt schweife ich ab.

Enttäuscht waren sicherlich auch die Tschechen, ohne allerdings richtig enttäuscht zu haben. Es war wirklich an der Zeit, daß ihr Glück ein Ende hat und das sie ohne Medaille nach Hause gehen, aber schlecht gespielt haben sie nicht. Gegen eine russische Mannschaft, die sich richtig anstrengt, darf man mit Sicherheit 1:0 verlieren. Dieses Jaromir Jagr Gerede hat mich allerdings enorm genervt. "Jagr hier, Jagr da, Jagrblablabla". Jeder weiß, daß Jagr ein unglaublich talentierter Spieler ist, aber beobachtet auch mal jemand, daß gegen ihn meistens schlecht ( mit zuviel Respekt ) verteidigt wird ? Hört man selten, ich fand seinen Teamkollegen Martin Havlat jedenfalls in diesem Turnier mindestens genauso stark.

3.Drittel: Die Kommentatoren waren insgesamt auch nicht das gelbe vom Ei. Selbst auf Premiere World nicht. Das liegt vor allem daran, daß Harald Birk elementare Schwierigkeiten in der Beherrschung der deutschen Sprache hat, was ihn als Co Kommentator oftmals schlecht aussehen ( anhören ) läßt. Die öffentlich – rechtlichen und Eurosport waren insgesamt aber mindestens zwei Klassen schlechter. In der Wiederholung vom Finale spielte ein gewisser Mike Piehka bei den New York Eisländers. Wer bitte ist Piehka und in welcher Liga spielen die Eisländers ?

Das Finale an sich war aber absolut klasse. Ich habe es mir noch zweimal angesehen und bin zum Schluß gekommen, daß es auch gut hätte 11-5 ausgehen können. Die Amis hatten noch einige gute Chancen, aber was für Möglichkeiten haben die Kanadier versiebt ? Ich denke da beispielsweise an den Schuß von Ed Jovanovski, der an den Pfosten abgefälscht wurde, an die geniale Einzelleistung von Theo Fleury, der den Abschluß nicht mehr hin bekam und natürlich an Mario Lemieuxs Pfostenschuß. Beim Stand von 2:1 kann er in Überzahl schon für so etwas wie die Vorentscheidung sorgen, trifft aber das leere Tor nicht und wenig später fällt das 2:2. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Amis noch gewonnen hätten. Diesen Pfostenschuß hätte Lemieux in Canada wohl auf Lebenszeit niemand verziehen.

Am Ende waren Jarome Iginla und Joe Sakic, die in einer Reihe mit Simon Gagne hervorragend spielten, die Matchwinner einer insgesamt sehr starken kanadischen Mannschaft. Gut gefielen mir auch die bedröppelten Gesichter von Dick Cheney und Rudi Guliani, während Wayne Gretzky so ausgelassen jubelte, wie selten zuvor. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß Cheney schon einmal zuvor beim Eishockey war. Mich nerven immer Leute, die zu einer Sportverantstaltung kommen, eigentlich keine Ahnung haben und ein bißchen für ein paar Leute die Daumen drücken, die sie womöglich gar nicht kennen.

Richtig ansehnlich war übrigens auch das Eishockey Finale der Damen. Wenn nicht nur die Kanadierinnen und die Amerikanerinnen auf so hohem Niveau spielen würde, wäre das natürlich noch besser, aber zumindest machen einige andere Nationen auch Fortschritte.

Achso, und bevor ich es vergesse: Johan Mühlegg (links in Siegerpose) und alle andere Freunde von ominösen Spritzen und bunten Pillen sind Idioten, deren Goldmedaillen jetzt noch etwa den Wert einer leeren Doppel Whopper Verpackung haben. Ich hoffe, sie begegnen demnächst mal dem ein oder anderen Konkurrenten, dem sie indirekt eine Medaille geklaut haben. Schlußsirene.

Absolute Spitze: Team Canada, besonders Jarome Iginla, Joe Sakic, Paul Kariya und Martin Brodeur, Team Canada ( Frauen ), besonders Hayley Wickenheiser und Kim St.Pierre, Weißrußland, Martin Havlat.

Schlechte Witze: Rußland, Schweden, Oleg Khyml, Johann Mühlegg, unfähige Kommentatoren, Dick Cheney

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com