Vorherige Ausgaben von 2+2+10:

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20.11.2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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27.11.2001
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

In der besten Tradition einiger selbstherrlicher Politiker, Eishockeyfans und was auch immer, feiere ich mich heute selbst. Das ist nämlich insgesamt meine zehnte "2+2+10", also zusammengerechnet sogar die 24igste ( 2+2+10+10). Was ? Nein, so´n Quatsch. Normalerweise würde ich das gar nicht erwähnen, aber ich möchte nur mal eben allen danken, die mir e-mails geschrieben haben, ohne mich dabei zu sehr zu beleidigen.

1.Drittel: Der größte Dank gilt aber natürlich, wie sollte es anders sein, den deutschen Eishockeyschiedsrichtern. Immer wieder bieten sie mir ohne Ende Material, so daß man dieses Thema wöchentlich ansprechen kann. "Kann" ist im Prinzip zuwenig gesagt, denn ich muß es einfach. Eigentlich nervt es, aber die teilweise eklatanten Fehlentscheidungen scheinen von Woche zu Woche eher mehr, als weniger zu werden.

Der großartige Willi Schimm bewies am Sonntag auf Premiere World eindrucksvoll sein Können. Wenn es schon Situationen gibt, in denen die Schiedsrichter selbst nicht wissen, wie sie zu entscheiden haben, sollte man ihnen wenigstens die Möglichkeit geben, während des Spiels eine Art Oberschiedsrichter zu konsultieren. Die gewöhnlichen Fehlentscheidungen sind schon mehr als genug. In Sonntag pfiff dann beim absoluten Spitzenspiel zwischen den Nürnberg Ice Tigers und den Krefeldwpe2.jpg (11651 Byte) Pinguinen ein Nobody, der seine Sache alles andere als gut machte. Eigentlich konnte man froh sein, daß diese Partie anstatt Moskitos Essen gegen die Düsseldorfer EG gezeigt wurde, aber dieses Spitzenspiel sollte mich nicht vom Sofa hauen. Es gab zu viele Strafzeiten auf beiden Seiten, Mark Seliger überzeugte im Tor der Gastgeber wenig und dann war da noch die Strafe gegen Jason Miller. Selbst das vermeintliche Opfer Thomas Brandl, konnte der 5 Minuten + Spieldauerstrafe nicht viel abgewinnen. Jason Miller ist auf jeden Fall weder ein Chorknabe, noch ein unfairer Spieler. Da man leider auch im Fernsehen keine vernünftigen Bilder von der Situation gezeigt bekam, kann man nur wieder mutmaßen: Die Strafe und damit die Aberkennung des 2:1 für Nürnberg war vielleicht spielentscheidend. Die Pinguine haben sicherlich nicht unverdient gewonnen, aber solche Szenen wiederholen sich andauernd und das kann einfach nicht so weitergehen. Hans Zach hatte auch wieder einmal wenig Positives über den Referee in Berlin, der die Partie seiner Huskies bei den Caps leitete, zu berichten usw.

Es ist vielleicht während einer Saison schwer, dieses Problem zu bekämpfen, aber zur nächsten Spielzeit muß man intensiv an einer Verbesserung der Schiedsrichterleistungen arbeiten. Wenn jetzt wieder jeder die Schuld an einen anderen weitergibt, ist das für die DELund das deutsche Eishockey nur normal, aber die derzeitige Situation ist einfach nicht zufriedenstellend.

Noch wesentlich unangenehmer war das Verhalten einiger "Möchtegerneishockeyfans" während und nach der Partie zwischen der Düsseldorfer EG und den Iserlohn Roosters am Freitag. Die ehemalige Freundschaft der beiden iserfans.jpg (23664 Byte)Fanlager gehört längst der Vergangenheit an, was auch objektiv gesehen nicht weiter schlimm ist, aber was sich in Düsseldorf abspielte, war schon äußerst peinlich.

2.Drittel: Eine Gruppe der mitgereisten Iserlohner benahm sich außerordentlich unordentlich. Dosen wurden geschmissen, es wurde sich geprügelt usw. Ich verstehe es ja, das es frustrierend sein muß, den ganzen Tag im Stall zu arbeiten, aber warum muß man seinen Frust beim Eishockey herauslassen ? Übrigens passen der auf der Stange, ääh hinter der Bande gackernde Trainer Poss und Tomas Martinec gut ins Bild. War es nicht Martinec, der beim Stand von 1:1 nach exakt 58 gespielten Minuten zu einer seiner gefürchteten Schwalben ansetzte, eine 2 Minutenstrafe gegen Droppa herausholte und so fast das Spiel entschieden hätte ? Ist das clever oder versuchter Betrug ? Ich plädiere für das zweite, da gerade Martinec schon so oft durch ähnlichen Mist aufgefallen ist.

Stroh im Kopf und an den Schuhen, ja das ist Iserlohn. Das ist aber natürlich auch nur ein Teil der Wahrheit, denn Iserlohn ist ein traditionsreiches Eishockeydorf mit nicht wenigen Fans, die unter solchen Idioten leiden. Ähnliche Probleme gibt es manchmal auch in Bezug mit dem KEV, den Moskitos, der DEG und wahrscheinlich jedem anderen DEL – Club. Ein paar Chaoten gefährden den Ruf der wirklichen Fans und werfen ein schlechtes Licht auf den Eishockeysport. Das kotzt mich an, denn gerade die Gewaltfreiheit auf den Rängen war immer ein großer Vorteil des Eishockeys gegenüber dem Fußball und das scheint mir zumindest etwas gefährdet. Niemand will doch Alkoholverbot, einen festen Gästeblock oder grüne Personen mit Helmen und Schlagstöcken in den Stadien sehen, damit so etwas eingedämmt wird, oder ?

Hier meine Empfehlung an alle Krawallsüchtige: Geht zum Fußball, tretet einem Kampfsportverein bei oder schließt auch der französischen Fremdenlegion an. Dort könnt ihr unter Gleichgesinnten zeigen, was für tolle, harte Kerle ihr seid. Nur: VERPIßT Euch aus den Eisstadien ! 

Negativ aufgefallen sind mir auch die Zuschauerzahlen am letzten Dienstag. Vielleicht ist eine Doppelrunde ( mit 60 Spielen ) gegenüber einer 1,5fach - Runde ( mit 44 Spielen ) bald wirklich überhaupt nicht mehr zu vertreten. Kaum ein Auswärtsfan hat Dienstags die Gelegenheit, außer bei Lokalderbys, anzureisen, bei drei Heimspielen an manchmal acht Tagen kommen fast nur die Dauerkartenbesitzer und der Rest des harten Kerns und bei dieser Belastung steigt auch das Verletzungsrisiko der Spieler.

Was war denn eigentlich mit den München Barons in Krefeld los ? 8-1 verloren, sich teilweise auch als schlechte Verlierer benommen und Sonntag klappt´s gegen Oberhausen wieder ganz locker ? Versteh´ ich nicht, aber muß ich ja auch nicht. Witzig war auch Bill Stewart, der sich über die angeblich nicht regelgerechten Visiere der Frankfurt Lions geärgert hat. Komma ( der kann sich übrigens auch ganz schön aufregen ) wieder runter, lieber Bill. Sind wir vielleicht etwas sauer, daß vor allem Nürnberg und Krefeld in dieser Saison einfach besser sind ?

 

3. Drittel: In der NHL angekommen, muß ich mich schon wieder aufregen. Die New York Islanders gewinnen wieder (lediglich gegen Dallas, Toronto und die Avalanche) und Mark Parrish schießt einen Hattrick. Naja, wenigstens kommen die Rangers wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurück. Gegen die Washington Capitals gab´s ein 2:6 und Daniel Schwarzbrand, ääh Dan Blackburn bekam sogar 51 Schüsse auf´s Tor gefeuert. Das ist alles andere als alltäglich und hat mich irgendwie gefreut. Jaja, ich mag die New Yorker Teams einfach nicht besonders.

Am Samstag spielten die San Jose Sharks bei den Los Angeles Kings und die Zuschauer wurden Zeugen davon, wie eng Sieg und Niederlage manchmal beieinander liegen. Da setzt der gute Korolyuk beim Stand von 1:1 im Schlußdrittel zuerst einen Penalty und dann auch noch einen Schlagschuß an den Pfosten und am Ende verlieren dann seine "Haie" gegen die "Könige" mit 1:3.

Sehr interessieren würde mich, was das wirkliche Problem mit Ken Hitchcock in Dallas ist. Gut, der Mann versucht, defensiv spielen zu lassen, was auch in den letzten Jahren durchaus von Erfolg gekrönt war, doch in dieser Saison läuft es einfach nicht. Shaun Van Allen und besonders Donald Audette waren nach dem Trade von den Stars nach Montreal mehr als erleichtert und Audette blühte bei den "Habs" in seinen ersten beiden Partien richtig auf. 1 Tor und 2 Assists, sowie am Samstag allein 11 Torschüsse sammelte der Außenstürmer bisher. Während Van Allen Hitchcock etwas kritisierte, packte Audette noch einen drauf: Sich an ein neues Spielsystem anzupassen, wäre kein Problem, aber einen Spieler an sich ändern zu wollen, sei nicht möglich. Niemand weiß, was noch so alles bei den Stars vor sich geht, meinte er weiter. Hej Audette, erzähl´ mal mehr, wenn Du uns schon so neugierig machst !

In Montreal gab es nach vier Siegen in vier Spielen mit Jose Théodore zwischen den Pfosten eine weitere hervorragende Nachricht. Kapitän Saku Koivu, der am Freitag übrigens seinen 27.Geburtstag feierte, ist bereits wieder Schlittschuh gelaufen und möchte spätestens wieder in den Playoffs spielen.

Ansonsten macht es Brendan Shanahan immer noch Spaß, Tore zu erzielen, Joe Nieuwendyk ist zur Zeit sehr gut drauf, aber Jarome Iginla, der die Scorerliste weiter souverän anführt, stellt sie alle in den Schatten. Schon 20 Tore hat der Stürmer der Calgary Flames bisher erzielt und eine Schwächephase scheint sich nicht anzukündigen. Respekt ! Ein Lob gilt auch Tomas Vokoun und dem Spieler der Woche, Nikolai Khabibulin, welche allen voran die dominierende Rolle der Goalies einmal mehr untermauerten. Sein erstes Saisontor hat endlich auch die vielfach unterschätzte Insider-Legende Kenny Manderville erzielt. Glückwunsch. Schlußsirene

Absolute Spitze: Krefeld Pinguine, Nikolai Khabibulin, Tomas Vokoun, Jose Théodore, Joe Nieuwendyk, Brendan Shanahan, Jarome Iginla, Donald Audette, Saku Koivu.

Schlechte Witze: Besoffene, randalierende Idioten beim Eishockey, Augsburg Panthers, München Barons in Krefeld, Tomas Martinec, Bill Stewart, Willi Schimm und Co., Ken Hitchcock. 

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com